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DIE GEBURT

Kapitel 2: Die Geburt

Immanuels offizieller Stammbaum war ohne besondere Persönlichkeiten ausgestattet – kein David, kein Hugenottenkönig, nicht einmal ein Heiliger. Daß sich nunmehr Gott höchstpersönlich hineinschreiben würde, das ahnte bei seiner Geburt noch keiner. Zu dieser Zeit im ausgehenden 20. Jahrhundert hatten weder sein rechtlich anerkannter Vater, noch seine rechtlich anerkannte Mutter viel mit Kirche und Glauben zu schaffen. Auch Gott hatte nicht die leiseste Ahnung davon, oder wollte es als Allwissender nicht wahrhaben, daß es in nicht all zu fernen Zukunft, gemessen an der Menschheitsgeschichte, zu seiner Entdeckung kommen sollte, Und so entschloß er sich, die Menschheit 2000 Jahre nach Jesus erneut mit einem Abkömmling zu beglücken. Ihm war bewußt, daß es in Zeiten der Talkshows, des Internets und der SMS sehr schwierig werden würde, die Menschen von den besonderen Qualitäten seines neuen Sohnes zu überzeugen. Es mußte verhindert werden, daß er von den Medien zu einem neuen David Copperfield gemacht werden würde, der seine Ideale und Ideen vom Frieden auf Erden nicht weiter, als in die Wüste Nevadas tragen könnte. Aber Gott nahm die Herausforderung an.

So kam es, daß in einem kleinen Ort, irgendwo auf dem platten Marschland in Schleswig-Holstein, eine junge Frau mit Namen Angela, nicht älter als 20 Jahre, durch den heiligen Geist schwanger wurde. Überraschend war diese Botschaft schon, erst recht für ihren damals neuen Freund Kevin. War er doch das Thema Sexualität wie ein aufgeklärter Europäer angegangen und hatte stets ein Kondom benutzt. Daß er aber zu Angela halten würde, da gab es für ihn gar keine Frage, so daß sich Gott diesbezüglich jegliches Einmischen in die Träume des werdenden Vaters sparen konnte. Auch für Angela als angehende Krankenschwester gehörte es praktisch zum Berufsethos, das Kind zu behalten. Kevin hatte sie bald dessen vermeintliches Versagen im Umgang mit Verhütungsmitteln verziehen und so freuten sie sich gemeinsam, bald Eltern eines ganz normalen Jungen zu werden. So versprachen es zumindest die Ärzte.

Die Idee einer romantischen Stallgeburt im Kreise moderner Massentierhaltung ließ Gott fallen und passte sich den modernen Gegebenheiten eines Kreissaales an. Ohne großes Aufgebot kam an einem 24.12. der stramme Immanuel zur Welt. Ganz auf jede Tradition wollte Gott bei der Datumsfrage dann doch nicht verzichten, auch wenn er sich durchaus trotz seines biblischen Alters zwei Geburtstage hätte merken können. Die Eltern waren überglücklich und Gott mit sich selbst zufrieden. Nach einer letzten steuernden Traumerscheinung bei Angela zur Namensgebung meinte er sich beruhigt für einige Jahre mit anderen Dingen beschäftigen zu können.